Babbo Natale
(Der Weihnachtsmann)
Es ist doch jedes Jahr das gleiche. Die immer währende Frage: „Was schenke ich zu Weihnachten?“
Auch ich stellte mir wie jedes Jahr diese Aufgabe und ließ mit wie immer bis zum letzten Moment Bedenkzeit.
Nun war es wirklich an der Zeit, um diese verdammten Geschenke zu besorgen, sagte ich mir und zog mich am Morgen des 24.12. warm an.
Wißt Ihr ich hab da nämlich eine schöne rote Daunenjacke und eine große, weiße Pudelmütze.
Viele, die mich kennen, sagen oft, ich sehe damit aus wie ein..............................., aber dazu kommen wir später.
Planlos irrte ich durch die Gassen der Mindener Altstadt auf der Suche nach diesen all`so „wichtigen“ Geschenken. Wem sollte ich was schenken? Was sollte ich verschenken?
Langsam schlenderte ich durch die Gassen und in meinem Kopf breitete sich eine ungewöhnliche Leere aus. Die Geschenke hatte ich schon langsam aus meinem Kopf verbannt und starrte auf das rege Leben, was in den Gassen zu pulsieren schien. Männer, Frauen und Kinder, die wie toll umher krabbelten. Da war nichts mit Weihnachtsstimmung, das Ganze glich eher einem Guerillakrieg im tiefsten Dschungel.
Menschen getrieben vom festen Glauben noch etwas für das Weihnachtsfest zu besorgen, bevölkerten die kleinen Gassen und Läden der Altstadt.
Ist das etwa alles was von dem fast 2000 Jahren Weihnachtsfest übrig bleiben sollte?
Eine Horde Irrer, die auf der Suche nach Geschenken ist?
„Na dann, FROHE WEIHNACHT!“ sagte ich etwas resignierend zu mir.
Wie ich so an all dem ganzen Weihnachtsgetue so langsam die Lust verlor, zupfte etwas an meine Jacke. Verwundert sah ich hinab und erblickte ein kleines Mädchen mit verweintem Gesicht. Große Tränen rannen dem Kind über ihre geröteten Wangen herab.
Eine weinerliche Stimme fragte mich: „Bist Du der Weihnachtsmann?“ Erstaunt sah ich das kleine Mädchen an und wollte ihr erklären, daß es den Weihnachtsmann gar nicht gibt.
Ich sah ihr in die verweinten Augen und brachte es nicht fertig, die Kleine dadurch vielleicht noch trauriger zu machen.
Also log ich etwas.
„Ja, ich bin der Weihnachtsmann.“
„Wo ist denn Dein großer Gabensack und die Rute?“
„Ja weißt Du, ich bin ein italienischer Weihnachtsmann und die brauchen soetwas nicht.“
Ungläubig sah mich die Kleine an und abermals kullerten große Tränen über ihr hübsches Gesicht.
„He, He, He kleine Lady glaubst Du mir etwa nicht? In meinem Heimatland nennen mich die Kinder BABBO NATALE.“
Ein belustigendes Kichern entsprang ihrem Gesicht und sie sagte merklich beruhigter: „Der ist aber lustig.“
„Na, na ein bißchen mehr Respekt kleine Lady, ich bin schließlich der Weihnachtsmann.“
Sie schaute mich fragend mit ihren großen braunen Kulleraugen an und brach abermals in Tränen aus. Ich nahm sie an die Hand und wir gingen zu einer Bank. Vorsichtig setzte ich die Kleine auf meinen Schoß und fragte sie nach ihrem Namen und dem ihrer Eltern.
„Ich heiße Sarah und meine Eltern heißen Mama und Papa.“
Na prima, das kann ja lustig werden, dachte ich. Auch weitere Fragen nach dem Wohnsitz oder ähnlichen blieben erfolglos. Nach einer kurzen Zeit der Stille sah mich die kleine Sarah traurig an und fragte:
“Wenn Du doch der Weihnachtsmann bist, dann kannst Du doch alle Wünsche erfüllen? Ich will wieder zu Mama und Papa.“
Ich strich der kleinen Sarah behutsam über die Wangen und sprach die Zauberworte:
„Dein Wunsch ist mir ein Befehl kleine Prinzessin.“
Die kleine Sarah sah mich mit ihren großen braunen Augen an und schenkte mir als Dank etwas von ihrem wundervollen Lächeln.
Ich setzte Sarah auf meine Schultern und wir gingen zu der Stelle, wo mich die Kleine angesprochen hatte. Dort warteten wir geraume Zeit, doch das befreiende Wiedersehen mit Sarahs Eltern blieb leider aus, so daß ich beschloß, alle Gassen abzugehen.
Die Zeit schritt unaufhaltbar voran und die Gassen fingen an sich von der Last der Menschheit zu befreien.
Müde und sehr traurig stützte sich die kleine Sarah ihre Ellenbogen auf meinem Kopf ab. Um sie etwas abzulenken, erzählte ich ihr die Geschichte vom Heiligen Nikolaus, wie er dem armen Bettler trotz eigener Bedürftigkeit seinen Mantel schenkte.
Aufmerksam hörte mir Sarah zu und fragte mich am Ende meiner Erzählung, so wie es nur kleine Kinder können. “Wieso?“
„Ja weißt Du Sarah, es kommt nicht darauf an, wie teuer und wie groß ein Geschenk ist. Man schenkt mit dem Herzen, um den anderen etwas gutes zu tun. Es ist die Liebe und Anerkennung, die wir versuchen mit unserem Geschenk zu zeigen. Doch diese Gabe ist leider sehr selten geworden in unserer kühlen und farblosen Welt. Wenn wir nur etwas mehr Verständnis und Liebe in unserer Welt zu ließen, könnten wir mit dieser Kraft das Licht bis in die dunkelste Ecke dieser Welt bringen.“
Ich schaute nach oben und sah die kleine Sarah zufrieden und ruhig dösen. Behutsam nahm ich sie in meine Arme und ging abermals zum Ausgangspunkt unserer Odyssee. Es war schon sehr spät und die Gassen wirkten wie ausgestorben. Ein leichter Schneefall setzte ein als ich zwei Gestalten am Ende der Gasse entdeckte.
Hoffnung und eine unerklärliche Freude machte sich in mir breit. Aus vollem Herzen wünschte ich mir, es mögen doch die Eltern von der kleinen Sarah sein.
Mein Wunsch wurde erhört und vor mir standen die vor lauter Sorge bangenden Eltern der kleinen Sarah. Beiden rannen kleine Tränen des Glücks und der Erleichterung ins Gesicht.
Vorsichtig legte ich die Kleine in die Arme der Mutter.
„Wie können wir das bloß bei Ihnen wieder gut machen?“
„Ein Danke reicht voll aus und sagt mehr als tausend Worte und Geschenke.“
„Danke und Frohe Weihnachten, Herr.........?“
„Kinder nennen mich BABBO NATALE“
Giovanni Donelasci