Il sguardo
(Der Blick)
Wie oft schon wendeten wir unseren Blick beschämt ab von dem was wir sahen . Wie oft schon taten wir so als wäre nichts gewesen und wie oft blieben wir stumm obwohl wir hätten schreien wollen .
Wie oft noch ?
Es gibt da ein Gefühl tief in mir , das sagt mir nicht weg zu schauen , doch kann Ich es nicht tun .Hilflos steuere Ich an all den armen Menschen dieser Welt entlang und sage mir :
„DU kannst es doch eh nicht ändern“
„Die Weihnachtszeit , das Fest der Liebe „
Welcher Teufel hatte mich geritten ausgerechnet Heute und zu dieser Tageszeit noch eine Kleinigkeit zu besorgen . Irgend etwas in mir gab zu verstehen das zu einem Fest der Liebe nun schließlich auch ein Panettone mit einer Flasche Spumante gehörte . Heute war nun nicht irgend ein Tag , es war eben halt Weihnachten . Ein kleines grinsen entsprang meinem Gesicht und leise sagte Ich zu mir : „Au Mann das ist ja hier wie in einem billigen Werbespot“
Augenblicklich drehte sich der vor mir stehende Herr um und sah mir recht feindselig in die Augen.
„Is was ?“
„Nein nein“ sagte Ich entschuldigend „Ich hab nur so zu mir selbst gesprochen“
Kopfschüttelnd drehte sich der Herr wieder um und reihte sich wieder in die Warteschlange vor der Kasse ein .Für einen Moment hatte Ich es ganz vergessen , es war ja Weihnachten , das Fest der Liebe.Was war das bloß für eine Welt geworden in der wir lebten.Eine Welt, so Kalt wie so manche Winternacht in der man sich den Sommer herbei sehnt.Eine Welt , so dunkel und farblos wie so manche Nacht in der man sich nach dem Licht des Tages sehnt .Und auch ich war ein Stück von dieser Welt , einer Welt die wir alle zu der machten was sie jetzt war .
„Verdammt , was beklagst du dich bloß“ sagte ich zu mir.Mir ging es doch gut ,und außerdem hatte ich doch alles was ich wollte .Beruflich hatte ich es zu etwas gebracht und über Geldmangel brauchte ich mich auch nicht beklagen.
„Scusi Signore wenn ich sie aus ihren träumen wecke, aber das macht 25000 Lire.“
„Tut mir leid Signorina , für einen Moment war ich mit meinen Gedanken ganz wo anders.“
„Das macht doch nichts Signore Filippi, es gibt eben halt Tage da ist man dem Himmel näher als der Erde.Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein frohes Fest noch Signore Filippi.“
Ich nahm den Panettone und den Spumante und verließ sonderbar berührt das Geschäft.Wie ich so dahin schlenderte, überkam mich ein sonderbares Gefühl .Woher kannte die Signorina meinen Namen ? „ Ach ist doch egal.“ dachte ich laut,
nur weil ich diese Person nicht kannte ,konnte Sie mich doch kennen.
Um meine Wohnung zu erreichen mußte, ich gute 10 Minuten Fußmarsch in Kauf nehmen.10 Minuten die mir immer all zu lang erschienen .Minuten voller Erwartung das eigene Heim zu erreichen , die Türe aufzuschließen und all die Feindseligkeit und Streß des Tages hinter sich zu lassen .Gerade zur Weihnachtszeit war es mit einigen mühen verbunden, die Gassen der kleinen Stadt zu begehen .Hunderte von eilenden Körper die Ihres Weges zogen auf der suche nach etwas Ruhe und Frieden und da waren auch noch die , die die Suche nach dem heiligen Gral aufgaben .Die Menschen,die frierend auf dem kalten Boden kauerten und um eine milde Gabe und etwas Verständnis baten.Ein Verständnis das Sie von niemanden hier auf Erden aber bekamen ,noch nicht einmal von mir.Es gibt viele Gründe achtlos an Ihnen vorbei zu gehen,doch eins ist immer gleich,zurück bleibt ein frierender und einsamer Mensch .
Ich unterbrach für einen kurzen Augenblick meinen Heimweg um mir eins der hübsch dekorierten Schaufenster anzuschauen .
Als ich mich umdrehte sah ich auf der anderen Seite der kleinen Gasse einen ärmlich gekleideten Mann auf dem Boden hocken .
Mein weiterer Weg führte mich recht nah an den Bettler heran ,so das mir der Holzkelch auffiel den Er in Händen hielt.Doch als
mir der Bettler den Kelch entgegenstreckte ,wandte ich meinen Blick ab und ging eilig meines Weges.Beschämt dachte ich an die Begebenheit zurück und fragte mich ,weshalb ich so gehandelt hatte.Hätte ich Ihm nicht etwas Geld geben können ?
„Zurück gehen tust du jetzt auch nicht wegen dem armenTeufel“ sagte ich mir und ging eilig meines Weges.Doch wohl ,war mir dabei nicht den armen Bettler so mit mißachtung gestraft zu haben.“Ach was soll`s“irgend ein anderer täte Ihm jenes geben ,was ich Ihm eben nicht gab.
Doch ein paar Straßenecken weiter,sah ich gerade diesen Bettler ein zweites mal vor mir auf den Boden hocken.Ungläubig und recht verwirrt beobachtete ich den Bettler aus einiger entfernung.Ja,ich war mir sicher ,jener Bettler dort war der Mann den Ich noch vor wenigen Minuten verwiesen hatte.Wie ich Ihn so beobachtete ,wendete Er seinen Blick zu mir hin und streckte mir sein Holzgefäß abermals entgegen.Mich traf es wie ein Schlag.Von all den ganzen Leute die hier umher liefen ,streckte ausgerechnet Er mir aus dieser großen Entfernung diesen verwunschenen Becher entgegen.Sollte Er wirklich mich gemeint haben und wie um Gottes willen konnte dieser Mensch vor mir hier angekommen sein?Entweder war Er der schnellste und raffinierteste Bettler der mir unter die Augen gekommen war , oder Er war..............................
Viele fragen die ich gerne beantwortet gehabt hätte,doch heut war eben halt Weihnachten und meine Familie würde mich wahrscheinlich schon längst vermißen.Sie würden sich bestimmt schon sorgen machen wo ich den abgeblieben wäre.Ob Pina, meine Frau das Essen schon aufgedeckt hatte?Bestimmt ,den unsere Eltern hatten sich für heute angesagt und die kamen zumeißt recht Pünktlich, um den kleinen „Rabauken „Ihre Weihnachtsgeschenke unter den Weihnachtsbaum zu legen
Hoffentlich benammen sich Luigi und Marco wenigstens Heute ein wenig .An manchen Tagen ,waren die beiden die reinsten Engel doch gab es auch Tage da hätte ich die beiden auf den Mond schießen können.Ein lächeln entsprang meinem Gesicht als ich an das letzte Weihnachtsfest zurück dachte.Wie wir so am Tisch saßen und ich die Weihnachtspute anschnitt und dabei die Murmelsammlung unsrer Söhne heraus purzelte. „Sie hatte doch noch nichts gegessen“erklärten mir die beiden mit Ihren unschuldsminen .In einem kurzen Moment bevor der große Vogel in die Bratenröhre kam hatten die beiden unentdeckt von meiner Frau Pina, den armen Vogel noch ein letztes mal gefüttert.
Ich sah zur Uhr und mußte mit erschrecken feststellen das ich wirklich verdammt spät dran war.Den armen Bettler hatte ich längst wieder vergessen als mich die Eile nach Hause trieb.Fröhlich summte ich die Melodie vom bekannten Italienischen Sänger Antonello Venditti „Ci vorebe un amico“als ich mein Haus erreichte.Wie versteinert blieb ich stehen.Fassugslos stand ich vor meinem Haus und erblickte dort,vor meiner Türe,den armen Bettler knien.Genau den,den ich schon den ganzen Abend vor mir knien sah.Ich nahm all meinen Mut zusammen und ging zu ihm.Wir sahen uns an und abermals streckte Er mir den Holzkelch entgegen.Wortlos nahm ich das Portmoine aus der Hosentasche und wollte dem Bettler etwas Geld in den Holzkelch legen aber Er unterbrach mein tun mit Worten und einem Klang in seiner Stimme wie ich sie nie zuvor gehört hatte.
„Heute ist Weihnachten mein Sohn und in der Luft liegt ein mächtiger Zauber den wir Liebe nennen.Es ist der Zauber der für jeglichen Anfang und für all das sein hier auf Erden steht.Ein Zauber den wir alle tief in uns tragen, aber der für viele von uns, für immer verloren zu sein scheint . Er gibt uns die Kraft im Dunkel des Lebens zu sehen und Er leuchtet uns den Weg heraus aus alle dem .
Nein mein Sohn gebe mir nicht das ,wovon Du glaubst ,es wäre das, was uns alle Glücklich machen würde.
Gebe mir das,was uns alle Glücklich machen wird.“
Eine unerklärliche Wärme lag in seinen Worten und hielt mich auf sonderbarer Weise in ihrem Bann.Ich reichte Ihm meine Hand und half dem Bettler auf und ein wunderbares Gefühl durchströmmte mich .
„Scusi Signore wenn ich Sie aus Ihren Träumen wecke ,aber das macht 25000 Lire.“
„Tut mir Leid Signorina, aber für einen Moment war ich mit meinen Gedanken ganz woanders,den es gibt Tage da ist man dem Himmel näher als der Erde.“
Giovanni Donelasci